Eine Vulkan-Warnstufe ist keine Messgröße, sondern eine Verwaltungsentscheidung. Jedes Land legt fest, wer sie vergibt, wie viele Stufen es gibt und was folgt. Deshalb heißt Gelb in Italien „verstärkte Überwachung, nichts gesperrt“, in Chile „instabile Aktivität“, in Island „erhöhte Unruhe“ – und auf den Philippinen gibt es gar kein Gelb, sondern Ziffern von 0 bis 5. Nur der Farbcode für die Luftfahrt ist weltweit gleich; er gilt Piloten, nicht Besuchern.
Was eine Stufe für den Zugang bedeutet, steht nur dort, wo wir es mit Verordnung oder Behördentext belegen können. Steht „regelt nicht den Zugang“, beschreibt die Stufe den Vulkan – über Wege und Sperrzonen entscheidet jemand anderes.
Italien: Warnstufe des nationalen Zivilschutzes
Grün, Gelb, Orange, Rot, vergeben vom Dipartimento della Protezione Civile in Rom nach INGV-Daten, geändert nur nach Bewertungsrunden. Grün ist die Basisstufe. Gelb heißt „Attenzione“: Der Vulkan ist aus dem Gleichgewicht, die Überwachung verschärft – gesperrt ist deshalb nichts. Orange wäre Voralarm mit Vorbereitung der Räumung, Rot Alarm mit Evakuierung der Roten Zone. Ätna, Stromboli und Campi Flegrei stehen seit Jahren auf Gelb, Vesuv und Vulcano auf Grün.
Regelt den Zugang nicht direkt. Am Stromboli setzt der Bürgermeister von Lipari die Aufstiegsgrenzen aber je Stufe fest.
Sizilien: Alarmphasen am Ätna
Attenzione, Preallarme, Allarme – die operative Phase des Zivilschutzes Sizilien, ausgerufen per Avviso, teils mehrmals am Tag, nach dem Frühwarnsystem ETNAS des INGV. Attenzione: Kraterzone mit zugelassenem Bergführer. Preallarme: Kraterzone für alle gesperrt, Seilbahn und Geländebus bis etwa 3.000 m fahren. Allarme: alles oberhalb von rund 2.500 m gesperrt und geräumt. Die Phase hängt nicht an der nationalen Stufe – im August 2026 blieb die Stufe Gelb, während die Phase dreimal auf Allarme ging.
Regelt den Zugang zur Gipfelzone – die einzige Skala auf dieser Seite, die genau dafür gemacht ist.
Island: VALS des Wetterdienstes
Stufe 0 Grün, 1 Gelb, 2 Orange, 3 Rot – das Volcano Alert Level System des isländischen Wetterdienstes (IMO), seit Oktober 2025 über eine offene Schnittstelle veröffentlicht. 0 ist Hintergrundaktivität, 1 erhöhte Unruhe, 2 deutlich erhöhte Unruhe ohne Ausbruch, 3 Ausbruch. Reykjanes steht seit dem 15. Oktober 2025 auf Stufe 2, Fagradalsfjall auf 0. Daneben führt das IMO den Flug-Farbcode – Reykjanes dort Gelb.
Regelt den Zugang nicht. Sperrungen spricht der Polizeichef von Suðurnes mit dem Zivilschutz aus, auf Grundlage der IMO-Gefahrenkarte.
Weltweit: Aviation Colour Code (VONA)
Grün, Gelb, Orange, Rot nach den Definitionen der Luftfahrtorganisation ICAO, vom Observatorium gesetzt und per VONA (Volcano Observatory Notice for Aviation) an Flugsicherung und Vulkanasche-Zentren gemeldet. Am Ätna setzt ihn das INGV Osservatorio Etneo, auf Island das IMO, auf Hawaii das USGS. Die vier Definitionen stehen im Abschnitt Flüge.
Regelt den Zugang nicht. Rot am Ätna heißt Asche in der Luft – und sagt nichts darüber, ob die Seilbahn fährt.
USA: USGS Normal / Advisory / Watch / Warning
Vier Stufen für Gefahren am Boden, vergeben vom US Geological Survey und seinen Observatorien. Normal: typischer Hintergrund. Advisory: erhöhte Unruhe über dem bekannten Hintergrund. Watch: deutlich erhöhte oder zunehmende Unruhe mit erhöhter Ausbruchswahrscheinlichkeit – oder ein Ausbruch mit begrenzten Gefahren. Warning: ein gefährlicher Ausbruch steht bevor, läuft oder wird vermutet. Der Kīlauea stand im September 2026 auf Watch/Orange, obwohl die Eruption pausierte.
Regelt den Zugang nicht. Über Wege und Sperrungen entscheidet der National Park Service.
Japan: JMA-Warnstufen 1 bis 5
Die Japan Meteorological Agency vergibt fünf Stufen nach dem betroffenen Gebiet: Stufen 2 und 3 betreffen das Kraterumfeld, 4 und 5 Wohngebiete. In der Praxis heißt Stufe 2 eine Sperrzone von etwa 1 km um den Krater (Aso seit 1. September 2026), Stufe 3 eine Zone von 2 km (Sakurajima seit Juli 2022). Stufe 5 bedeutet Evakuierung – am Sakurajima galt sie im Juli 2022 für drei Tage.
Regelt den Zugang mittelbar: Die Sperrzone folgt der Stufe. Am Aso war die Kratersicht 2026 ab Stufe 2 geschlossen.
Philippinen: PHIVOLCS Alert Level 0 bis 5
Sechs Ziffern statt Farben, vergeben vom Philippine Institute of Volcanology and Seismology mit täglichem Bulletin. 0 Normal, 1 schwache Unruhe, 2 mäßige Unruhe, ab 3 steigende Ausbruchsgefahr, 4 und 5 gefährlicher Ausbruch. Auch bei Stufe 0 bleibt die Permanent Danger Zone gesperrt – 6 km um den Mayon-Krater, am Taal die ganze Vulkaninsel. 2013 starben am Mayon fünf Bergsteiger bei Stufe 0 durch eine Explosion ohne Vorwarnung.
Regelt den Zugang: Die Sperrzone ist Teil der Skala und gilt auf jeder Stufe.
Mexiko: Semáforo de Alerta Volcánica
Eine Ampel mit Unterphasen, festgelegt von der Zivilschutzkoordination auf Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats; die Daten liefert das CENAPRED. Verde: Der Vulkan ist ruhig. Amarillo Fase 1 bis 3: aufmerksam bleiben – von häufiger Seismik (Fase 1) über Dampffahnen, leichten Aschefall und glühende Fragmente (Fase 2) bis zu wachsenden Domen und starken Explosionen (Fase 3). Rojo Fase 1 und 2: Gefahr, explosive Tätigkeit bis extremer Reichweite. Der Popocatépetl steht seit dem 6. Juni 2023 auf Amarillo Fase 2.
Regelt den Zugang nicht direkt; der 12-km-Radius gilt unabhängig von der Phase. Einziger legaler Punkt ist der Paso de Cortés.
Chile: Alerta Técnica Volcánica
Verde, Amarilla, Naranja, Roja – die technische Warnstufe des geologischen Dienstes SERNAGEOMIN. Gelb beschreibt nach den veröffentlichten Definitionen instabile Aktivität mit Beobachtung und Abstandsempfehlung; Evakuierungen gehören zu Rot. Gelistet werden nur Vulkane oberhalb von Grün. Villarrica wurde am 4. September 2026 wegen eines aufsteigenden Lavasees auf Gelb gehoben, Osorno steht seit 2018 auf Grün.
Regelt den Zugang am Villarrica: Das Protokoll der Gemeinde Pucón erlaubt Krateraufstiege nur bei Grün.
Kanaren: Semáforo des Plans PEVOLCA
Verde, Amarillo, Naranja, Rojo, vergeben von der Kanarischen Regierung über den Zivilschutzplan PEVOLCA, je Insel oder Gebiet. Grün: Risiko so niedrig, dass keine Schutzmaßnahmen nötig sind. Gelb: Anomalien deuten mittelfristig auf eine voreruptive Phase. Orange: höchste Alarmstufe, eine voreruptive Phase läuft. Rot: Ausbruch bestätigt. Teneriffa steht trotz der Bebenschwärme 2026 auf Grün, die Cumbre Vieja auf La Palma seit 2021 auf Gelb, weil Gase und Bodentemperaturen noch nicht normalisiert sind.
Regelt den Zugang nicht direkt. Wege öffnet oder sperrt das Cabildo – auf La Palma nur mit Zustimmung des PEVOLCA.