Volcano·Guide
Ausbruch am Stromboli bei Nacht: glühende Lavafetzen fliegen in Bögen aus dem Krater, dahinter orange leuchtender Dampf

Stromboli

Man sitzt im Dunkeln. Und wartet.

Alle 10 bis 20 Minuten wirft er Feuer. Seit Jahrtausenden.

Foto: kuhnmi · CC BY 2.0

Letzter Ausbruch vor0:00· in echt alle 10–20 Minuten, hier etwas öfter

Drei Plätze in der ersten ReiheWo man sitzt, wenn es passiert

Auf den Gipfel darf niemand mehr. Das macht nichts: Die Krater liegen auf rund 700 Metern, und man schaut von unten und von der Seite direkt hinein. Am stärksten wirkt es nach Sonnenuntergang – deshalb am späten Nachmittag los und eine Nacht auf der Insel bleiben.

Gelb
Warnstufe StromboliWarnstufe Zivilschutz (grün/gelb/orange/rot) · abgerufen am 21.09.2026 · Dipartimento della Protezione Civile – Presidenza del Consiglio dei Ministri (CC BY 4.0)
290m

Auf eigene Faust

Ab Stromboli-Ort über die Strada vicinale Parroco und den alten Maultierpfad. Steil, staubig, beim Abstieg stockdunkel: Stirnlampe, Wasser, feste Schuhe.

Kostenlos · ab Ginostra nur bis 130 m
400m

Mit zugelassenem Führer

Höher geht es für niemanden. Höchstens 25 Gäste je Führer, 75 Menschen gleichzeitig am Berg, Touren nur zwischen 11 und 24 Uhr. Helm und Staubmaske stellt der Führer.

Sonnenuntergangs-Trekkingab 30 €
0m

Vom Boot vor der Sciara del Fuoco

Die „Feuerrutsche“ ist die schwarze Flanke, über die alles ins Meer rollt. Abends ankern die Boote davor, Motor aus – und dann hört man ihn.

Nachtfahrten ab Milazzo, Tropea und Lipari
924 m · Gipfel gesperrt. Wer über die Grenze steigt, zahlt 500 € – an den Wegen stehen Kontrollposten. Bei der Ankunft fällt die Landungsabgabe der Gemeinde Lipari an (im Sommer 5 €, Stand 2023). Quelle: Gemeinde Lipari, Verordnung des Bürgermeisters Nr. 16 vom 05.05.2025 mit Zugangsordnung – am 21.09.2026 die jüngste auffindbare. Warnstufe des Zivilschutzes heute: Gelb.
Die Sciara del Fuoco am Stromboli in der Dämmerung: ein glühender Lavastrom zieht sich über die schwarze Flanke bis ans Meer
Erst das Grollen. Dann das Licht. Dann prasselt es den Hang hinunter.

Foto: Unukorno · CC BY 3.0

Der Abend am VulkanHinauf oder hinaus

Zu Fuß bis an die Grenze oder mit dem Boot vor die Flanke – beides endet im Dunkeln mit Blick auf die Krater.

Werbelinks zu GetYourGuide: Bei einer Buchung erhalten wir eine Provision, der Preis bleibt gleich. Preise und Bewertungen vom 21.09.2026. Wie oft und wie stark er ausbricht, entscheidet der Berg.

Die Regel dahinterWie hoch du darfst, hängt an einer Farbe

Der Zivilschutz stuft den Vulkan ein, der Bürgermeister von Lipari zieht mit einer Verordnung nach. Zwischen Juni 2024 und Mai 2025 wechselte die Grenze viermal.

  1. 25.06.2024Orange

    Oberhalb von 290 m alles gesperrt, darunter nur mit Führer.

  2. 04.07.2024Rot

    Lavastrom bis ans Meer. Aufstieg ganz verboten, nachts auch die Strände.

  3. 14.08.2024Gelb

    Frei nur bis zum Observatorium auf 100 m, mit Führer bis 400 m.

  4. seit 05.05.2025Gelb

    290 m frei, 400 m mit Führer. Gilt bis heute.

Gut zu wissenAnreise, beste Zeit, Tipps

Anreise

Ohne Auto: Nur per Schiff. Haupthafen für die Überfahrt ist Milazzo; Tragflügelboote von Liberty Lines laufen Stromboli und Ginostra an, die Autofähren fährt Caronte & Tourist Isole Minori unter der Marke Siremar.

Mit dem Auto: Auto am Hafen von Milazzo abstellen; für den Vulkanbesuch braucht man auf der Insel keines.

  • Ab Milazzo
    Tragflügelboot Liberty Lines, meist mit Zwischenstopps auf Vulcano, Lipari, Salina, Panarea
  • Ab Catania
    Auto oder Bus nach Milazzo (A18/A20), dann Schiff
  • Ab Taormina
    Auto nach Milazzo, dann Schiff; Tagesausflug kaum sinnvoll, weil die Abendtour der Höhepunkt ist

Beste Zeit

Mai/Juni und September/Anfang Oktober: weniger heiß, Schiffe fahren noch dicht, Dämmerung nicht zu spät. Die Ausbrüche wirken in der Dunkelheit am stärksten, deshalb am späten Nachmittag aufsteigen und mindestens eine Nacht bleiben. Ab Oktober dünnt der Fahrplan aus (nur noch vier Abfahrten ab Milazzo) und Herbststürme legen die Boote öfter lahm.

Für wen es passt

Kinder
Bis 290 m mit gehfreudigen Kindern machbar; die Verordnung nennt kein Mindestalter.
Mindestalter
amtlich keines; Führerbüros legen eigene Grenzen fest
Kondition
Die Verordnung nennt den Weg ausdrücklich anspruchsvoll; 400 Höhenmeter auf Asche und Geröll, Abstieg im Dunkeln mit Stirnlampe.
Herz und Atemwege
Staub und Schwefelgeruch möglich; oberhalb 290 m wird eine Staubmaske ausgegeben. Bei Atemwegs- oder Herzproblemen besser die Bootstour zur Sciara del Fuoco.
Rollstuhl
Aufstieg nicht möglich; Ausbrüche lassen sich vom Boot aus beobachten.
Kleidung
Laut Verordnung prüft der Führer die Ausrüstung: angemessene Kleidung, Lampe, Wasser, Proviant. Für den Abend eine Jacke und Wechselshirt.
Schuhe
Trekkingschuhe sind vorgeschrieben.

Tipps, die man vor Ort braucht

  • Vor der Überfahrt die DPC-Seite zu Stromboli prüfen: Springt die Warnstufe auf Orange, fällt die 400-m-Tour weg.
  • Wer nur 290 m gehen will, braucht keinen Führer und kein Ticket – aber Stirnlampe, Wasser und feste Schuhe; der Rückweg liegt im Dunkeln.
  • Beim Führerbüro nach dem Ausweis mit aktueller Jahresmarke fragen; nur eingetragene Guide Alpine/Vulcanologiche dürfen über 290 m führen.
  • Sirenen ernst nehmen: Zwei automatische Systeme warnen mit nur wenigen Minuten Vorlauf vor Paroxysmus und Tsunami. Die Bedeutung der Signale steht auf den Hinweistafeln im Ort – gleich nach der Ankunft lesen.
  • Landungsabgabe einplanen: Sie wird beim Ticketkauf automatisch aufgeschlagen.
  • Mindestens eine Nacht bleiben und einen Puffertag vor dem Rückflug lassen – bei Wind fallen Tragflügelboote aus (dann volle Erstattung).
  • Nicht auf dem gesperrten Sentiero Natura abkürzen: Erdrutschgefahr, 500 € Strafe.

Kurze Geschichte

  • Die normale Tätigkeit: Explosionen alle 10–20 Minuten aus Kratern in etwa 700 m Höhe – namensgebend für den 'strombolianischen' Eruptionstyp.
  • Fünf Tsunamis in den letzten rund hundert Jahren: 1916, 1919, 1930, 1944 und 2002.
  • 23./24.06.2024: Tätigkeit nimmt zu, Warnstufe Gelb → Orange; die Gemeinde sperrt den Bereich oberhalb 290 m.
  • 04.07.2024: Eruptionsspalte am Fuß des Nordostkraters, Lavastrom über die Sciara del Fuoco bis ans Meer, pyroklastischer Strom mit 40-cm-Welle – Warnstufe Rot; am 23.07.2024 zurück auf Orange.
  • 14.08.2024: nach Rückstufung auf Gelb Verordnung Nr. 50 – frei nur bis zum Observatorium (100 m), mit Führer bis 400 m.
  • 19./20.10.2024: Unwetter mit Überschwemmung in Ginostra und Wegeschäden durch Erosion und Geröll; nationaler Notstand per Ministerratsbeschluss vom 28.03.2025.
  • 05.05.2025: Verordnung Nr. 16 – wieder 290 m frei, 400 m mit Führer, Sentiero Natura gesperrt.

Veraltet im NetzWas anderswo falsch steht

„Gipfeltour zum Krater auf 924 Meter buchbar.“
Portale werben noch damit. Der Gipfel ist gesperrt, erlaubt sind höchstens 400 m mit Führer.
„Führerpflicht erst ab 400 Metern.“
Das ist die Regel von 2007. Heute beginnt die Führerpflicht bei 290 m – und 400 m ist die Obergrenze.
„Der Aufstieg ist derzeit gar nicht möglich.“
Seit Mai 2025 geht es wieder: 290 m frei, 400 m geführt. Nur der Kraterbereich bleibt zu.

Kurz gefragtVor der Überfahrt

Sieht man von 290 oder 400 Metern überhaupt die Ausbrüche?

Ja. Von beiden Höhen blickt man über die Sciara del Fuoco auf die Kraterterrasse in etwa 700 m Höhe. Bei Dunkelheit sind die Lavafetzen gut zu sehen.

Braucht man ein Ticket oder eine Genehmigung?

Für den freien Bereich nicht. Zwischen 290 und 400 m braucht man einen zugelassenen Führer, der die Gruppe bei der Gemeinde anmeldet.

Wie kommt man nach Stromboli?

Mit dem Tragflügelboot von Liberty Lines ab Milazzo: im Sommer 2026 bis zu neun Abfahrten täglich, ab 1. Oktober vier. Herbststürme legen die Boote öfter lahm.

Ist das etwas für Kinder?

Der Weg bis 290 m geht mit trittsicheren Kindern, ist aber steil, staubig und beim Abstieg dunkel. Ein amtliches Mindestalter gibt es nicht; bei geführten Touren entscheiden die Büros.

Kann man 2026 auf den Gipfel des Stromboli?

Nein. Oberhalb von 400 m ist der Vulkan für Besucher gesperrt, auch mit Führer. Grundlage ist die Verordnung Nr. 16 des Bürgermeisters von Lipari vom 05.05.2025, die am 21.09.2026 die jüngste auffindbare war.

Wie weit darf man ohne Führer auf den Stromboli?

Von Stromboli-Ort bis 290 m über dem Meer, und nur über die Strada vicinale Parroco und die Mulattiera Salvatore di Losa. Von Ginostra aus sind es 130 m. Der Sentiero Natura ist gesperrt.

Was kostet die Strafe, wenn man höher steigt?

500 € Verwaltungsstrafe pro Person, bei schwereren Fällen zusätzlich ein Strafverfahren. An den Wegen stehen Kontrollposten.

Ist Stromboli für Kinder geeignet?

Der Weg bis 290 m ist mit trittsicheren Kindern möglich, aber steil, staubig und beim Abstieg dunkel. Ein amtliches Mindestalter gibt es nicht; für geführte Touren entscheiden die Büros.

Was muss man anziehen und mitnehmen?

Trekkingschuhe, Stirnlampe, Wasser, Proviant und eine Jacke für den Abend – diese Ausrüstung nennt die Verordnung ausdrücklich. Helm und Maske gibt es oberhalb 290 m vom Führer.

Wie gefährlich ist der Stromboli?

Die normale Tätigkeit ist vom erlaubten Bereich aus ungefährlich. Selten kommt es zu Paroxysmen, die Blöcke kilometerweit schleudern, und zu Tsunamis – zuletzt im Juli 2024 eine 40-cm-Welle. Deshalb die Höhengrenzen und das Sirenensystem.

Ist der Stromboli aktuell offen?

Stand 21.09.2026: Warnstufe Gelb, 290 m frei, 400 m mit Führer. Das kann sich innerhalb eines Tages ändern – maßgeblich sind die DPC-Warnstufe und die Verordnungen der Gemeinde Lipari.

Ist Stromboli bewohnt – kann man dort Urlaub machen?

Ja. Auf der Insel gibt es zwei Orte: Stromboli im Nordosten und das winzige Ginostra im Südwesten, das nur per Schiff erreichbar ist. Wikipedia nennt rund 540 ständige Einwohner, davon etwa 30 in Ginostra; es gibt Hotels, Pensionen, Restaurants und schwarze Lavastrände, aber keine Autos – nur Elektrokarren und Roller. Die Insel steht beim Zivilschutz auf Gelb, zwei Sirenensysteme warnen vor Paroxysmen und Tsunami; Urlaub ist normal möglich, solange man die Verhaltensregeln kennt. Eine Übernachtung lohnt sich, weil die Ausbrüche nach Sonnenuntergang am eindrucksvollsten sind.

Wann ist der Stromboli zuletzt (größer) ausgebrochen?

Der Stromboli bricht ständig aus – alle 10 bis 20 Minuten. Über das normale Maß hinaus gingen zuletzt zwei «größere Explosionen» am 23. Mai 2026 und am 12. Juni 2026 (INGV). Die letzte schwere Krise war im Sommer 2024: am 4. Juli Lavastrom bis ins Meer, pyroklastischer Strom und Warnstufe Rot, am 11. Juli 2024 ein Paroxysmus. Beim Paroxysmus vom 5. April 2003 erreichte Auswurfmaterial laut Zivilschutz sogar bewohnte Bereiche. Laut Zivilschutz kommen größere Explosionen mehrmals im Jahr vor, Paroxysmen im Abstand einiger Jahre.

Quellen · abgerufen am 21.09.2026